Freizeit

Kulturtipps

Für Sie entdeckt:

Buch

Die ersten Menschen auf dem Mond

Herbert George (H. G.) Wells (1866–1946) wird, wenn es um Science-Fiction geht, in einem Atemzug mit Jules Verne genannt und das zu Recht, denn Wells war wie sein französischer Kollege ein visionärer Erzähler, dessen fantastische Ideen später pure Realität wurden. Insbesondere gilt dies für seinen Roman „Die ersten Menschen auf dem Mond“ aus dem Jahr 1901, der jetzt gerade neu übersetzt wieder erschienen ist. Besonders aufgrund der Weltraumfantasien des US-Präsidenten ist die Geschichte brandaktuell. Der erfolglose Geschäftsmann Bedford riecht das Geld förmlich schon, als er den Erfinder Cavor kennenlernt. Dieser hat einen Stoff entwickelt, der die Gravitation aufhebt. Gemeinsam wollen sie mit einer von Cavor entwickelten Kapsel zum Mond fliegen.

H. G. Wells: Die ersten Menschen auf dem Mond (Mantikore-Verlag), ISBN: 978-3-961-88063-8; 15 Euro (Taschenbuch)

Foto: Mantikore-Verlag

TV

Unwiderstehlich

Seit der letzten Präsidentschaftswahl 2016 sind die USA politisch zerrissen. Gerade in dieser Zeit, wo so viele Amerikaner so wenig zu lachen haben, ist es unbedingt Zeit für bissige, politische Komödien – Unwiderstehlich („Irresistible“) ist so eine. Ausgedacht hat sich die Geschichte der Komiker Jon Stewart, der in den Staaten durch so etwas wie die „Heute-Show“ populär wurde. Ein aalglatter Stratege der demokratischen Partei (Steve Carell) will einem Veteranen im Ruhestand bei den Bürgermeisterwahlen in einer reaktionären Kleinstadt helfen – und am Ende geht es um nicht weniger als die Seele Amerikas.

Unwiderstehlich (USA 2020) mit Steve Carell, Rose Byrne, Chris Cooper, Mackenzie Davis u. v. a. (Universal Pictures), ab 6.8. im Kino

Foto: UPI

Musik

Alanis Morissette: Such Pretty Forks in the Road

Acht Jahre hat die Sängerin ihre Fans warten lassen, acht Jahre, in denen künstlerisch wenig geschehen ist: 2012 gab es ein Live-Album und 2015 die Aufnahme in die „Canadian Music Hall of Fame“. Aber sonst? Stille rund um die Kanadierin, die 1995 mit „Jagged Little Pill“ ihren größten Erfolg feierte. Nun kommt endlich ein neues Album, ein erster Vorgeschmack darauf ist die Single „Reasons I Drink“ inklusive Musikvideo, in dem die Sängerin sich in verschiedenen Stadien ihres Lebens selbst spielt (so u. a. in ihrem Outfit aus dem Musikclip „Ironic“ von 1995). Man ahnt: Alanis Morissette hat nichts verlernt in den letzten acht Jahren.

Alanis Morissette: Such Pretty Forks in the Road, (RCA / Sony Music), Erscheinungsdatum: 31. Juli, Preis: 15 Euro

Foto: RCA / Sony Music

Podcast

Kützel und Röppen

Die beste Nachricht vorneweg: Der vermeintlich ulkige Name der Sendung (es wurde der jeweils erste Buchstabe der Gastgeber-Nachnamen Rützel und Köppen vertauscht) ist der mit Abstand flachste Witz dieser allwöchentlich exklusiv bei Audible erscheinenden Podcast-Reihe. Es unterhalten sich Anja Rützel (Journalistin), deren Texte man u. a. im SPIEGEL lesen kann. Dort schreibt sie über Trash-TV à la „Dschungelcamp“ einzigartig pointiert. Jan Köppen moderiert bei RTL u. a. „Ninja Warrior Germany“. Jeden Freitag nun tauschen sich die beiden über allerlei Banales aus, offenbaren Persönliches und sind dabei bisweilen wirklich sehr lustig.

Kützel und Röppen – mit Anja Rützel und Jan Köppen. Jeden Freitag bei Audible; Preis: 9,95 Euro für alle 24 Folgen (bereits publizierte und noch folgende)

Buch

Geheime Quellen

29 Fälle in 27 Jahren – er hat sich sicher nicht überarbeitet, der gute Commissario Bruno Brunetti. Auf der anderen Seite liefert seine Schöpferin Donna Leon (77) im Schnitt mehr als einen Brunetti-Krimi pro Jahr ab, das wiederum ist aller Ehren wert. Die Bücher über den kultivierten und bescheidenen Venezianer, der in der Lagunenstadt dem Verbrechen auf der Spur ist, sind durchweg großartig geschrieben und bereiten uneingeschränktes Lesevergnügen. In „Geheime Quellen“ nun muss der Commissario einen Mord aufklären, der als Unfall kaschiert wurde – und plötzlich ist Brunetti einem Verbrechen größten Ausmaßes auf der Spur …

Donna Leon: Geheime Quellen; Diogenes; ISBN: 978-3257070996; 24 Euro

Foto: Diogenes-Verlag

TV

The Mallorca Files

Wenn man Corona-bedingt schon nicht hinfahren darf, holt man sich seine Lieblingsinsel eben auf die Mattscheibe: „The Mallorca Files“ ist eine schräg-spannende Crime-Serie, in der die Engländerin Miranda Blake (Elen Rhys) und der Deutsche Max Winter (Julian Looman) als ungleiches Ermittler-Duo in Erscheinung treten. Auf Mallorca bekämpfen sie die überbordende Kriminalität – und wir sprechen hier nicht von Bierleichen am Ballermann. Smarter Spin der Serie: Während der Deutsche (wider die teutonisch-spießige Tradition) den Chaoten und Luftikus gibt, besticht die Engländerin mit Pflicht, Eifer und Dienstvorschriftentreue. Die großar­tigen Landschaftsbilder trösten locker über manche dramaturgische Schwäche hinweg.

The Mallorca Files (mit Julian Looman und Elen Rhys). Ab sofort alle zehn Folgen in der ZDF-Mediathek.

Foto: ZDF / Giacomo Neri

Musik

Peter Maffay: Erinnerungen 2 – die stärksten Balladen

Was soll man über diesen Mann noch sagen? Seit 50 Jahren im Geschäft, 19 Nummer-eins-Alben, immer ausverkaufte Tour­neen, und mit seinem Drachen Tabaluga setzt er sich für traumatisierte Kinder ein. Dass der Rocker auch eine weiche Seite hat, wissen Fans nicht erst seit „Und es war Sommer“. Vor drei Jahren veröffentlichte Maffay das Album „Erinnerungen – die stärksten Balladen“, nun erscheint der konsequente Nachfolger: 17 Songs, einige neue vom aktuellen Longplayer „JETZT!“ und einige schon etwas betagtere Lieder wie „Wo steht das geschrieben“, das in diesem Jahr seinen 45. Geburtstag feiert. Für Maffay-Fans ein Muss, für Balladen-Fans auch. Und für den Rest ist das Album fraglos gute Unterhaltung.

Peter Maffay: Erinnerungen 2 – die stärksten Balladen; Sony Music; Erscheinungsdatum: 29. Mai 2020; Preis: 15 Euro (CD)

Foto: Red Rooster / Music

Podcast

Als einer der ersten hatte sich NDR Info (der Nachrichten­sender des Norddeutschen Rundfunks) schon am 26. Februar mit dem Berliner Virologen Christian Drosten auf die tägliche Produktion eines Podcasts verständigt – millionenfach Abonnenten und eine Grimme-Preis-Nominierung waren die Folge. Seit Ostern wird der Podcast, in dem der Virologe wohltuend unaufgeregt über das Corona-Virus und seine Folgen spricht, nur noch alle zwei bis drei Tage ausgestrahlt – schließlich hat der Mann ja auch noch seinen Job an der Charité, eine Familie und gefühlt fünf Talkshow-Auftritte pro Woche sowie Interviews mit in- und ausländischen Printmedien. Gut so, der Mann sollte gehört werden!

Das Coronavirus-Update mit Christian Drosten von NDR Info. Die Gespräche führen Korinna Hennig und Anja Martini. Alle Folgen abrufbar in der ARD-Audiothek.

Älterwerden ist voll sexy, man stöhnt mehr

Autorin Sabine Bode kann sehr lustig sein. Ihr Erstling trug den zauberhaften Titel „Kinder sind ein Geschenk, aber ein Wellness-Gutschein hätt’s auch getan“ und es ist unschwer zu erraten, worum es in dem Buch geht. Ihr zweites Werk beschäftigt sich nach dem Elternwerden nun mit dem Älterwerden, denn Bode ist im letzten Jahr 50 geworden und das schreit förmlich nach einer kritisch-humorvollen Auseinandersetzung mit dieser Thematik. Wenn also die Friseurin fragt: „Na, wollen wir's mal ein bisschen frecher machen?“, sollte jeder wissen, was die Alters­uhr geschlagen hat. Sabine Bode hat vor ihrem Leben als Schriftstellerin ihre Brötchen als Gagschreiberin für Harald Schmidt oder Atze Schröder verdient – das merkt man hier auf beinahe jeder Seite! 

Sabine Bode: Älterwerden ist voll sexy, man stöhnt mehr.
Goldmann Verlag. ISBN: 978-3442159918; 13 Euro

Foto: Goldmann Verlag

Der wunderbare Mr. Rogers

„Sei nett, sei nett und sei nett“ – das war das Credo von Fred Rogers, einer amerikanischen TV-Legende, und genauso lebte er sein Leben. Dieses Leben wurde nun mit Tom Hanks in der Hauptrolle verfilmt, wobei Hanks/Rogers eigentlich nur die Nebenrolle spielen: Hauptakteur ist der Reporter Lloyd Vogel (Matthew Rhys), der den Auftrag erhält, über Rogers, der seit Jahrzehnten die Kinder­sendung „Mister Rogersʼ Neighborhood“ im US-Fernsehen mo­deriert, ein Porträt zu schreiben. Und Vogel ist misstrauisch: Kann ein Mensch so gut sein wie Fred Rogers? Großartiges Gefühlskino mit einem brillanten Hanks.

Der wunderbare Mr. Rogers (USA 2019).Mit Tom Hanks, Matthew Rhys; Regie: Marielle Heller.

Ab 16. April im Kino.

Foto: Sony Pictures Entertainment

Lady Gaga: Chromatica

„Was, das ist schon das sechste Album von der?“, werden jetzt vielleicht manche sagen, „die ist doch noch gar nicht so lange im Geschäft“, Doch, das ist sie, und zwar von Anfang an mit großem, ach was, gigantischem Erfolg. Lady Gaga (34), bürgerlich Stefani Joanne Angelina Germanotta, veröffent­lichte 2008 ihr erstes Album, vor vier Jahren ihr bislang letztes. 150 Millionen Tonträger hat sie bis heute verkauft. Nun erscheint „Chromatica“, aufgenommen in einer Zeit, als die Künstlerin in einer tiefen Depression steckte und auf Musik keine Lust hatte. Schaut man sich allerdings das Video zur ersten Singleauskopplung dieses Albums an, mag man das kaum glauben. „Stupid Love“ kommt so bunt, schrill und lebenslustig daher, dass man sofort Lust auf mehr hat.

Lady Gaga: Chromatica; Sony Music, Erscheinungsdatum: 10. April
Preis: ca. 20 Euro * Vorläufiges Albumcover. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe lag das offizielle Cover noch nicht vor.

Foto: Universal Music

Hotel Matze (mitvergnuegen.com)

Matze Hielscher hob vor nunmehr zehn Jahren ein Online-Stadtmagazin mit dem hübschen Namen „mit Vergnügen“ für Berlin aus der Taufe und erfuhr damit großen Erfolg. Aber weil ein wacher Geist sich selten mit nur einem Geniestreich zufriedengibt, schob er vor drei Jahren seine Pod­cast-Reihe „Hotel Matze“ hinterher, in der er interessante Leute zu allerlei Themen charmant, empathisch und immer interessiert befragt. Unter seinen 97 Gästen; Robert Habeck, Dunya Hayali, Frank Elstner, Nora Tschirner oder Atze Schröder. Mittlerweile gehört „Hotel Matze“ zu den reichweitenstärksten Podcasts des Landes. Und womit? Mit Recht!.

Hotel Matze mit Matze Hielscher. Zweiwöchentlicher Podcast auf www.mitvergnuegen.de.

Vergib uns unsere Schuld

Lang ist es her, dass Hera Lind mit dem „Superweib” zur Bestseller-Autorin wurde. Vor 26 Jahren erschien der Auflagen­erfolg und katapultierte Lind in die erste Liga der deutschen Schriftsteller. Seitdem schreibt die 62-Jährige wie am Fließband: Über 30 Bücher veröffentlichte sie seit dem „Superweib“, soeben erschien das Buch „Vergib uns unsere Schuld“, das auf einer wahren Begebenheit beruht. Carina Kramer ist drei­fache Mutter, als sie mit Ende 30 Witwe wird. Sie sucht Trost in der Kirche und begegnet Pater Raphael von Ahrenberg, der seit über 20 Jahren im benachbarten Kloster lebt. Der geweihte Priester hat sich mit Leib und Seele dem Zölibat verpflichtet, doch Carina bringt alles ins Wanken …

Hera Lind: Vergib uns unsere Schuld. Diana Verlag. ISBN: 978-3-453-29224-6; 10 Euro (Taschenbuch)

Foto: Diana Verlag / Random House

Enkel für Anfänger

Wer die Filme von Regisseur Wolfgang Groos kennt, wird sich vielleicht wundern, denn „Enkel für Anfänger“ ist eben keiner jener Kinder- oder Jugendfilme, für die Groos bekannt ist. Zu seinen Werken zählen „Hexe Lilli rettet Weihnachten“ oder auch „Rennschwein Rudi Rüssel“. Dass er Humor kann, hat er als Regisseur einiger „Pastewka“-Folgen bewiesen, und entsprechend ist „Enkel für Anfänger“ streckenweise sehr komisch. Vier Rentner (brillant: Heiner Lauterbach und Günther Maria Halmer) lang­weilen sich in ihrem Rentnerdasein und bieten sich als Leihomas und -opas an. Das ist lustig, schräg, turbu­lent – und sehr rührend.

Enkel für Anfänger (Deutschland 2020). Mit Maren Kroymann, Barbara Sukowa, Heiner Lauterbach, Günther Maria Halmer u. v. a.

Foto: Studiocanal
Ab 6. Februar im Kino

Gustav Mahler: Symphonie Nr. 8

Wann schläft dieser Mann? Yannick Nézet-Seguin (44) ist Musikdirektor des Philadelphia Orchestra, des kanadischen Orchestre Métropolitain, des Philharmonisch Orkest in Rotterdam und erster Gastdirigent des London Philharmonic Orches­tra. Und weil das anscheinend nicht ausreicht, wird er ab der Spielzeit 2020/21 auch noch den Posten des Chefdirigenten der Metropolitan Opera in New York übernehmen. Zwischendurch nimmt er sich dann noch die Zeit, CD-Aufnahmen zu initiieren, wie jetzt bei der 8. Symphonie von Gustav Mahler, was ihm (gemeinsam mit dem Phila­delphia Orchestra) ganz vorzüglich gelungen ist. Nicht nur für Mahler-Fans ein absolutes Muss.

Gustav Mahler: Symphonie Nr. 8, Yannick Nézet-Seguin mit dem Phila­delphia Orchestra; Deutsche Grammophon, erschienen 2020; Preis: ca. 20 Euro

Foto: Universal Music

Eine Stunde History (Deutschlandfunk Nova)

Die vielleicht gute Nachricht vorweg: „Eine Stunde History“ dauert in der Regel nur zwischen 30 und 40 Minuten, was bedeutet,
dass sich niemand vor diesem unterhaltsamen Geschichts­unterricht fürchten sollte. Jede Woche wird ein neues, geschichtlich relevantes Thema beackert, der Bogen spannt sich von „100 Jahre Arbeiterwohlfahrt“ über den (mittlerweile höchst umstrittenen) Dichter Ernst Moritz Arndt bis hin zum 100. Jahrestag der „Einführung des Betäubungsmittelgesetzes“. Die Moderation wechselt – allerdings immer dabei: Historiker Matthias von Hellfeld, der Geschichte so großartig erklärt, dass man sich den Mann gerne als Geschichtslehrer gewünscht hätte.

Eine Stunde History. Wöchentlicher Podcast auf Deutschlandfunk Nova (www.deutschlandfunknova.de)

Der kleine Rabe Socke: Suche nach dem verlorenen Schatz

Oh, wie langweilig: Rabe Socke muss den Dachboden aufräumen … Doch dann findet er plötzlich eine echte Schatzkarte! Gezeichnet wurde sie von dem in­zwischen verschwundenen Opa Dachs. Eine seltsame Legende verspricht, dass der Finder des Schatzes zum König des Waldes wird. Prima Job, denkt sich Socke und macht sich mit Freund Eddi-Bär auf die Suche. Doch plötzlich müssen die beiden schwere Prüfungen bestehen. Und sie sind nicht die einzigen Schatzsucher. Filmspaß für die ganze Familie.

Filmstart: 12. Dezember (Universum Film)

Foto: Universum Film GmbH

Mit Ecken und Kanten

„Mein roter Faden ist nicht rot – er ist bunt“, sagt der Songwriter Johannes Oerding. Unter Beweis stellt er dies mit seinem neuen Album „Konturen“, auf dem er erneut die ganze Bandbreite seines musikalischen Könnens zelebriert. Oerding: „Ich habe viel Klimbim weggelassen, mich geöffnet und bin mir als Songwriter treu geblieben.“ In einem bunten Soundmix versammelt er auf seiner CD Pop, Elektrosounds, Streicher­musik und Filmmusikanklänge. Die Texte sind deutlich engagierter und setzen sich ab vom leider oft üblichen Song-Einerlei. Fans von Oerding lernen eine neue Seite des Sängers kennen.

Johannes Oerding: Konturen (Columbia | Sony Music), Audio-CD, 12,99 Euro

Foto: Columbia | Sony Music Entertainment Germany GmbH

Schicksalsbande

Orna leidet unter der Trennung von ihrem Mann, die Pflegerin Emilia hat mit der Einsamkeit zu kämpfen und Ella ist geschlagen mit einem krankhaft eifersüchtigen Ehemann. Drei Frauen, die unabhängig voneinander Gil kennenlernen, der ihnen einen Ausweg zu bieten scheint. Der Rechtsanwalt hat einiges zu verbergen, aber er kennt wiederum die Geheimnisse der Frauen nicht. Der israelische Krimiautor Dror Mishani hat einen spannenden Krimi geschrieben, der die Leser nicht nur mit halsbrecherischen Wendungen überrascht. Er schildert ganz nebenbei auch das Leben in der israelischen Metropole Tel Aviv mit ihren Schönheiten und Widersprüchen. In Israel ist Mishani ein gefeierter Bestsellerautor und auch hierzulande entdecken immer mehr Leser den Ausnahmeschriftsteller.

Dror Mishani: Drei, Diogenes Verlag, 20,99 Euro

Foto: Diogenes Verlag

Backen wie in New York

Hoch aufragende Wolkenkratzer, bunte, blinkende Lichter an den Fassaden – und durch die Straßen zieht der Duft von Gebackenem. Die Weihnachtszeit verströmt in New York eine ganz besondere Stimmung. Wer davon ein wenig in die heimischen Wände und besonders in die Küche holen will, liegt mit New York Christmas vollkommen richtig: Ob Pumpkin Pie Pancakes, Maple Glazed Ham oder Cheesecakes – insgesamt 50 verständlich erklärte Rezepte helfen, dieses besondere New-York-Feeling in unsere Breitengrade zu zaubern. Gewürzt ist die Rezeptsammlung mit zahlreichen Anekdoten und Geschichten aus der Stadt, die niemals schläft. Zusätzlich ist das Buch großzügig mit atmosphärischen Bildern illustriert, die beim Schlemmen auch zu einem gedanklichen Trip über den „großen Teich“ einladen.

Lisa Nieschlag, Lars Wentrup: New York Christmas: Rezepte und Geschichten, Hölker Verlag, 20 Euro

Foto: Hölker Verlag

Die schönste Zeit unseres Lebens

Einmal zurückreisen in die schönste Zeit, an die man sich erinnern kann! Wer möchte das nicht? Maxime lässt sich auf das An­gebot einer Firma ein, die ein Filmgelände in das Jahr 1974 zurückverwandelt. Genau dorthin schickt er seinen Vater (Daniel Auteuil), der noch einmal die einzigartige Atmo­sphäre von Chansons, Cafés, Neonlichtern und Schlag­hosen einatmet. Und er entdeckt dabei … die Gegenwart. Eine französische Ko­mödie voller Charme und Lebenslust.

Filmstart: 28. November (Constantin Filmverleih)

Foto: 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Mitten ins Herz

Ed Sheeran, dem rothaarigen Barden aus der Grafschaft West Yorkshire, fliegen die Herzen millionenfach zu. Wo er auftritt, lauschen die jugendlichen Fans und summen die Texte mit. Bei der englischen Casting-Show Britannia High nahm er im Jahr 2008 noch erfolglos teil, doch dann tingelte er durch die Londoner Clubs und eroberte sich eine gewaltige Fangemeinde. Bei der Schlussfeier der Olympischen Sommerspiele 2012 in London stand er zusammen mit Nick Mason (Pink Floyd) und Mike Rutherford (Genesis) auf der Bühne. Im Juli ist sein neues Album erschienen. Wieder sind seine Songs stark von seinem Vorbild Van Morrison geprägt und auf ihre Weise sehr speziell.

Ed Sheeran: No. 6 Collaborations Project, Audio-CD, 13,99 Euro

Foto: Atlantic Records

Schuld und Sühne

Der 16-jährige Michel wächst in einer Bergbauregion auf und verbringt mit seinem älteren Bruder Joseph ausgelassene Tage. Die beiden verdienen ihren Lebensunterhalt in einem Bergwerk, doch dann kommt es aufgrund einer Fehlentscheidung der Werksleitung zu einem folgenschweren Unfall, bei dem Joseph sein Leben verliert. Der Vater, der ohnehin dagegen war, dass seine Söhne als Bergleute arbeiten, fordert Michel, sich zu rächen. Doch der flieht nach Paris. Viele Jahre später setzt er die Forderung in die Tat um, doch seine Erinnerung täuscht ihn: Der Tag vor dem Unglück war ganz anders, als er immer gedacht hatte – und das hat dramatische Folgen, denn es wirft ein neues Licht auf die Ereignisse. Der Franzose Sorj Chalandon hat einen atemberaubenden Roman
über Schuld und Sühne geschrieben.

Sorj Chalandon: Am Tag davor, dtv, 23 Euro

Foto: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG

Bauchgrimmen

Industriebrot sorgt bei vielen Menschen für Verdauungsprobleme. Das liegt neben Konservierungsstoffen und anderen Zusätzen auch daran, dass dem Teig keine Zeit gegeben wird, in Ruhe zu gehen. Sicher ist Brot von einem handwerklich arbeitenden Bäcker vorzuziehen, doch zahlreiche Geschäfte mussten inzwischen leider aufgrund des Konkurrenzdrucks aufgeben. Warum also nicht selber backen? Das geht einfacher, als man denkt, ist preiswerter und besondere Kreationen sind ebenfalls möglich. Einen praktischen Einstieg sowie exquisite Ergebnisse ermöglicht das Teubner-Buch "Brot". Mit zahlreichen Rezepten, Tipps und cleveren Kniffen für die Zubereitung bietet es für Anfänger eine ideale Einstiegshilfe. Die heimische Küche in eine Backstube zu verwandeln ist ganz einfach. Und bringt Spaß.

Teubner: Brot, Teubner-Verlag, 39,90 Euro

Foto: GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH

Dora und die goldene Stadt

Eigentlich ist sie im Dschungel zu Hause, doch ihre Eltern schicken Dora (Isabela Moner) in eine ganz normale Schule. Sie selbst machen sich derweil in der Ferne auf die Suche nach einer sagenumwobenen Inka-Stadt. Doch dann wird Dora entführt und landet mit ihrem Äffchen Boots und ein paar Freunden in einem atemberaubenden Abenteuer. Finstere Gestalten suchen mit Doras Hilfe und auf den Spuren ihrer Eltern ebenfalls den Goldschatz dieser verschwundenen Zivilisation.

Filmstart: 10. Oktober (Paramount).

Foto: Paramount Pictures Germany

Aufruhr der Gefühle

Kein Boden unter den Füßen und alles im Fluss: Für den Barden Herbert Grönemeyer ist dieser „Tumult“ ein Zustand zwischen Entzweiung und Liebe. Und er ist kreativer Urboden seines neuen Albums. Das Private ist das Politische und das Politische höchst privat. Grönemeyer mischt sich ein und gibt doch die persönliche Sicht und Befindlichkeit in seinen Songs niemals auf. Er singt über das „Sekundenglück“ oder „Mein Lebensstrahlen“. Mit seiner einzigartig-knödeligen Stimme begeistert er seine hallenfüllende Fangemeinde, die gern dabei ist, wenn er sie auffordert: „Lebe mit mir los“.

Herbert Grönemeyer: Tumult, Audio-CD, Vertigo Berlin (Universal), 17,99 Euro.

Foto: Universal Music

Killer mit Moralkodex

Jahrelang hat Evan Smoak im Auftrag der Regierung getötet, doch nun ist er abtrünnig geworden.

Er sühnt seine Taten, indem er seine Fähigkeiten nutzt, um den Verzweifelten und Verlierern zu helfen. Seine ehemaligen Aufraggeber jagen ihn und attackieren jene Personen, die Smoak nahestehen. Der schreibt sein viertes Moralgesetz um und geht zum Gegenangriff über: Diesmal ist alles persönlich. Der ehemalige Drehbuchautor Gregg Hurwitz ist zu einem Spezialisten des rasanten Agentenromans avanciert. Packend geschrieben ist sein neuer Thriller und dazu mit einer Hauptfigur versehen, die man kennenlernen muss. „Es bedarf eines Wolfes, um die Wölfe zu vertreiben“, sagt der Autor Hurwitz. Und die Leser dürfen dabei sein, wenn der die Witterung aufnimmt und sich auf die Jagd macht.

Agenten-Thriller, HarperCollins, 14,99 Euro.

Foto: HarperCollins

Weltentdecker

Einen wahren Prachtband legt die Humboldt-Kennerin Andrea Wulf zum 250. Geburtstag des wohl größten deutschen Naturforschers vor. Inspiriert von seinen Tagebüchern, Kupferstichen, Skizzen, Landkarten und präparierten Pflanzen stehen hier die Abenteuer im Mittelpunkt, in die sich der Forscher stürzte, um seine bahnbrechenden Erkenntnisse über die Natur zu sammeln. Ob die abenteuerliche Fahrt auf dem Orinoko, die Besteigung des Chimborazo oder seine Begegnungen mit indigenen Völkern, all das kann man durch diesen reichhaltig von Lillian Melcher bebilderten Band hautnah miterleben Dasselbe gilt auch für die Gefahren, die Begeisterung und die unendlichen Mühen. Ein großartiges Buch.

Andrea Wulf: Die Abenteuer des Alexander von Humboldt, C. Bertelsmann Verlag, 28 Euro.

Foto: C. Bertelsmann Verlag

Bailey – ein Hund kehrt zurück

Das Hundeleben kann so schön sein. Bailey hat es sich auf der Farm von Ethan (Dennis Quaid) gemütlich gemacht, und alles könnte für immer so weitergehen: faulenzen, in der Sonne liegen und Streicheleinheiten genießen. Doch dann verschwindet plötzlich seine neue beste Freundin, die Enkeltochter C.J. (Kathryn Prescott). Die treue Fellnase macht sich auf die Suche und erlebt so manches Abenteuer. Ein Kinospaß für die ganze Familie.

Filmstart: 13. Juni (Universal).

Foto: Constantin Film Verleih GmbH

Französische Gefühle

Sanft, kraftvoll und mit verzaubernden Chanson-Einlagen – mit diesem Mix begeistert die französische Sängerin Zaz ihr Publikum. Ihr Stil changiert zwischen Chanson, Rock und Jazz und schwingt sich mal zu ruhiger Barmusik und dann wieder zu regelrechten Rockballaden auf. Aber auch ihre Popsongs werden von ihren massenhaft in die Konzerthallen strömenden Fans geliebt. In ihrem neuen Album „Effet Miroir“, was so viel wie „Spiegeleffekt“ heißt, setzt sie auf eben diese Popelemente. Ihren Triumphzug startete die Sängerin mit ihrem ersten Album, das 2010 erschien und schlicht ZAZ betitelt war.

ZAZ: Effet Miroir, Warner Music, 16,80 Euro.

Foto: Warner Music

Der Mann mit der Pfeife

Vorhang auf für den wohl berühmtesten Kriminalkommissar aller Zeiten. Mit „Maigret und Pietr der Lette“ begann der Siegeszug des von Georges Simenon erdachten Pariser Polizisten. Mit dem Herz am richtigen Fleck und seinem Einfühlungsvermögen taucht er tief ein in die Nächte von Paris und begegnet menschlichen Eitelkeiten, Dramen und Tragödien. So beginnt der Plot: Interpol kündigt einen lettischen Betrüger an, den Maigret am Bahnhof Gare du Nord abfangen will, doch dann wird in einer Zugtoilette eine Leiche entdeckt. Der Lette verschwindet und Maigret steht vor einem Rätsel. Insgesamt 75 Maigret-Romane hat Simenon verfasst und sie sind immer noch ein Lesegenuss ersten Ranges.

Georges Simenon: Maigret und Pietr der Lette, Kampa Verlag, 16,90 Euro.

Foto: Kampa Verlag

Die Welt ist Chemie

Unser gesamtes Leben hat letztlich immer mit Chemie zu tun. Ob wir Kaffee zubereiten, Fluoridzahnpasta benutzen, Deo gegen Schweiß einsetzen oder einfach am Morgen aufwachen … Alles ist verbunden mit chemischen Prozessen. Selbst Gefühle wie Trauer, Liebe oder Jubelstimmung sind Folge chemischer Reaktionen von Melatonin, Cortisol, Dopamin und vielen anderen Substanzen, die in unserem Hirn für unsere Stimmungen sorgen. Die Wissenschaftlerin Dr. Mai Thi Nguyen-Kim hat darüber ein Sachbuch geschrieben, das mit seinem sehr lesbaren und unverkrampften Stil auch „naturwissenschaftliche Analphabeten“ begeistert. Fernsehzuschauer werden die sympathische Chemikerin aus der Sendung Quarks kennen. Selbst den Grimme Online Award hat die junge Autorin bereits gewonnen.

Dr. Mai Thi Nguyen-Kim: Komisch, alles chemisch!, Droemer, 16,99 Euro.

Foto: Droemer Knauer

22.07.2020

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