Freizeit

Berchtesgadener Land

Im äußersten Südosten des Freistaats Bayern liegt dieser Flecken Erde, umgeben von hohen Bergen und Österreich. Eine Mischung aus fantastischer Natur und Kultur – sowie dunkler Geschichte.

„Wen Gott liebt, den lässt er fallen auf dieses Land.“ Die Zeilen stammen von Ludwig Ganghofer (1855 – 1920), und der Heimatdichter beschrieb darin eine seiner bevorzugten Landschaften in Bayern: das Berchtesgadener Land. Nicht von ungefähr spielen viele seiner Romane in dieser Region.

Und Ganghofer hat nicht übertrieben: Dieser Landstrich, der südöstlichste Zipfel des Freistaats Bayern (Regierungsbezirk Oberbayern), ist ein Kleinod der Natur. Umsäumt von den Berchtesgadener Alpen auf der einen Seite und fast umschlossen vom österreichischen Bundesland Salzburg auf der anderen Seite, findet der Besucher hier alles, was einen Urlaub lohnenswert macht. Es gibt hohe Berge (z. B. Watzmann), tiefblaue Seen (z. B. Königssee), atemberaubende Natur (z. B. Nationalpark Berchtesgaden), Kultur (z. B. Museum Schloss Adelsheim), Geschichte (z. B. Dokumentation Obersalzberg) und vieles, vieles mehr. Wo fängt man an?

 

Berchtesgaden: Nazi-Architektur und ein königliches Schloss

Vielleicht ist für einen ersten Einblick ein Besuch in der Stadt sinnvoll, der diese Region ihren Namen verdankt: Berchtesgaden – wobei „Stadt“ natürlich komplett falsch ist, denn a) heißt es korrekt „Markt Berchtesgaden“ und b) lässt es sich bei 8.000 Einwohnern schwerlich von einer Stadt sprechen. Dennoch ist Berchtesgaden sozusagen das Eingangsportal, zumindest wenn man von München (gut 150 Kilometer entfernt) die A 8 nimmt.

 

Der erste Blickfang ist der trutzige Bahnhof, ein typisches Beispiel für die Architektur der Nationalsozialisten: Neoklassizismus trifft Heimatstil. Da Adolf Hitler den Berghof auf dem Obersalzberg (keine fünf Kilometer oberhalb von Berchtesgaden gelegen) auch für Staatsbesuche nutzte, musste der Bahnhof entsprechend umgebaut werden. Ein stummes Denkmal dunkler Zeiten. Aber Berchtesgaden hat deutlich mehr zu bieten als das trutzige Bahnhofsgebäude, zum Beispiel das Königliche Schloss.

 

200 Meter Naturspektakel: die Wimmbachklamm bei Ramsau im Nationalpark.

 

Paradiesische Natur

Aber kümmern wir uns lieber um die Natur: Da ist der Königssee mit der Halbinsel Hirschau und ihrer pittoresken Wallfahrtskirche St. Bartholomä, am östlichen Fuße des Watzmanns gelegen. Ohnehin ist der Watzmann (2.713 Meter) mit seinen Nebengipfeln Kleiner Watzmann (oder auch Watzmannfrau und Watzmannkinder) durch seine markante Form unverkennbar. Die Berggruppe liegt im Nationalpark Berchtesgaden, übrigens dem einzigen deutschen Nationalpark in den Alpen. Er umfasst die Gemeinden Berchtesgaden, Bischofswiesen sowie Marktschellenberg und bietet seinen Besuchern mit etwas Glück einen Blick auf den Alpensteinbock oder das Murmeltier.

 

Definitiv auch einen Besuch wert ist Bad Reichenhall: Die Große Kreisstadt blickt auf eine fast 4.000 Jahre alte Siedlungsgeschichte zurück und die Römer betrieben hier schon vor Christi Geburt die Salzproduktion. Kaum jemand, der Bad Reichenhaller Salz nicht in seinem Küchenschrank hat.

Hier und auch in Berchtesgaden selbst locken Besuche im Salzbergwerk oder in der alten Saline in Bad Reichenhall. Egal, ob unter oder über Tage, das Berchtesgadener Land bietet viel – und das eben nicht nur all jenen, die Gott liebt.

Spezialtipp: Jennerbahn und Watzmann

Mit der Jennerbahn erreicht man das ganze Jahr hindurch den Gipfel des Jenner (1.874 Meter) – und das sehr modern, denn die Seilbahn wurde erst 2019 durch einen Neubau ersetzt (Öffnungszeiten und Preise: www.jennerbahn.de). Vom Gipfel bietet sich dem Besucher ein spektakulärer Blick auf die Berchtesgadener Bergwelt (inklusive Watzmann mit Nebengipfeln). Unterhalb des Jenner liegt der Königssee mit der Wallfahrtskirche St. Bartholomä auf der Halbinsel Hirschau. Das kleine Gotteshaus ist eines des beliebtesten Fotomotive für Touristen aus aller Welt.

Reise-Info

Das Berchtesgadener Land ist bequem von der bayrischen Landeshauptstadt München per Auto (in eineinhalb Stunden über die A 8, wenn es gut läuft) oder mit dem Zug zu erreichen. Vor Ort ist der Besuch der „Dokumentation Obersalzberg“ sehr empfehlenswert. An der Stelle, wo früher Hitlers Berghof stand, ist heute eine Lern- und Erinnerungsstätte eingerichtet, welche die Zeit des Nationalsozialismus mit der Geschichte des Ortes und der Region verbindet (www.obersalzberg.de). Wer will, kann nach diesem Besuch noch einen Abstecher ins Kehlsteinhaus machen, das etwas oberhalb des Obersalzbergs liegt. Auch hier haben die Nazis (u. a. mit dem „Goldenen Fahrstuhl“) sichtbar ihre Spuren hinterlassen (www.kehlsteinhaus.de).

Fotos/Illustration: Berchtesgadener Land Tourismus; Haufe Newtimes

22.07.2020

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