Freizeit

Mecklenburgische Seenplatte

Hätten Sie es gewusst? Die Seenlandschaft im Nordosten Deutschlands ist das größte zusammenhängende Wassersportrevier Europas. Und das sind nicht die einzigen Superlative, die die Region zu bieten hat.

Sie seien maulfaul, sturköpfig und verschroben – das sind die drei gängigsten Vorurteile, die man zu hören bekommt, wenn man über Mecklenburger spricht. Das ist natürlich pure Übertreibung. Ja, die Bewohner des Mecklenburger Teils von Mecklenburg-Vorpommern gehören nicht gerade zu den geschwätzigsten Menschen der Republik. Und was die einen stur nennen, loben die anderen als nachdenklich. Kurz gesprochen: Die weitverbreitete Meinung über seine Bewohner sollte niemand von einem Besuch Mecklenburgs abschrecken.

Touristisch gesehen besteht die Mecklenburgische Seenplatte aus dem Dreiklang der Region „Mecklenburgische Schweiz“, der „Mecklenburgischen Kleinseenplatte“ und dem Gebiet „Müritz plus“. Fangen wir einfach mal „oben“ an – und das bezieht sich tatsächlich auf die geografische Lage der Mecklenburgischen Schweiz, die sich nördlich der beiden anderen genannten Regionen befindet. Die Eiszeit prägte hier sanfte Hügel (daher die Assoziation mit der Schweiz), tiefe Seen und blaue Flüsse. Eine herrliche Gegend, um auszuspannen und um zu staunen – nicht zuletzt über die zahlreichen Gutshöfe und Schlösser des (längst vergangenen) Landadels.

 

Zwischen Müritz und Malchow

Das, was pfiffige Marketingfüchse „Müritz plus“ getauft haben, ist sozusagen die Herzkammer der Seenplatte, auch wenn das geografisch nicht ganz hinhaut (denn sie liegt rechts, da wo das Herz eher nicht schlägt). Hier gibt es Gewässer, so weit das Auge reicht (und noch viel weiter). Die Müritz beispielsweise ist der größte See, der innerhalb Deutschlands liegt. Freilich ist der Bodensee deutlich größer, muss sich seine Fläche aber mit Österreich und der Schweiz teilen. Und gleich noch ein Superlativ: Der „Müritz-Nationalpark“ ist der terrestrisch (also auf die Landfläche bezogen) größte Deutschlands – seine stattlichen 32 Hektar erstrecken sich über Teile nicht nur der Mecklenburger, sondern auch der Feldberger Seenplatte. Zu 13 Prozent besteht er nur aus Wasser und ist außerdem das Habitat für Rotfüchse, Waschbären, aber auch die äußerst seltene Rohrdommel. Aber natürlich gibt es auch zivilisatorisch ausgeprägte Ecken rund um die Müritz: An deren Ufer liegen die Städtchen Waren und Röbel, im Gebiet „Müritz plus“ des Weiteren das wunderschöne Plau am See, Rechlin und das entzückende Inseldorf Malchow.

 

Empfohlen sei an dieser Stelle eine Dampferfahrt über die Seenplatte. Man schippert gemütlich von Waren (wo sich übrigens das „Müritzeum“ befindet, siehe Kasten) nach Plau am See via Malchow, das in und am Malchower See liegt. Hier sei der Besuch des „DDR-Alltags-Museums“ ans Herz gelegt, das im ehemaligen Filmpalast des Dorfs Platz gefunden hat. Hier erleben die Besucher einen bisweilen wundersamen Trip in die Vergangenheit des ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaats – auch für „Wessis“ unbedingt einen Besuch wert. Wie übrigens alles im Gebiet der Mecklenburgischen Seenplatte.

Geheimtipp: MÜRITZEUM

Es ist architektonisch deutlich spektakulärer, als der mühsam konstruierte Museumsname vermuten lässt: Das Gebäude des Naturerlebniszentrums ist ein echter Hingucker. Aber das Beste: Es bietet auch innen jede Menge Hingucker! Auf 2.300 Quadratmetern gibt es Ausstellungen zur heimischen Natur und zur Landesgeschichte Meck-Pomms. Der Museumsgarten (mit eigenem See) misst stattliche 2 Hektar, das Süßwasserfisch-Aquarium umfasst 26 Becken – so kann das Müritzeum locker für einen spannenden Urlaubstag herhalten – wenn nur dieser komische Name nicht wäre …

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Seen umfasst die Mecklenburger Seenplatte.

Reise-Info Mecklenburgische Seenplatte

Mecklenburg-Vorpommern, das flächenmäßig sechstgrößte Bundesland, ist das am dünnsten besiedelte – lediglich rund 1,6 Millionen Menschen leben hier zwischen Ostsee (im Norden), Schleswig-Holstein (Westen), Niedersachsen (Südwesten), Brandenburg (Süden) und Westpommern (Polen, im Osten). Erreichbar ist der platte Flecken Erde gut mit den Autobahnen A 20 (Hamburg–Lübeck Stralsund), A 24 (Hamburg–Berlin) und die A 19, die von Rostock quer durch den Landkreis Mecklenburger Seenplatte bis zum Kreuz Wittstock führt. Wettertechnisch macht man hier sowieso gar nichts falsch: Die Ostseeregion mit den Inseln Rügen, Usedom und Hiddensee hat deutschlandweit die höchste Zahl an Sonnentagen.

Artikelbild: Die malerische Landschaft der Mecklenburger Seenplatte begeistert Jung und Alt.

Fotos/Illustration: Gerhard1302 – stock.adobe.com; Klaus Steindorf-Sabath; Haufe Newtimes

05.06.2020

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