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FLÜWO-MOBIL meets Commons Kitchen

Am Leonhardsplatz in Stuttgart fand im September ein FLÜWO-MOBIL-Termin der besonderen Art statt.

Gemeinsam mit dem Foodsharing-Projekt Commons Kitchen hatte unser rollender Nachbarschaftstreff alle Bewohner und Gewerbetreibenden aus dem Quartier eingeladen, sich auf dem öffentlichen Platz zwischen Gustav-Siegle-Haus und Leonhardskirche beim gemeinsamen Kochen und Essen näher kennenzulernen.

Kochen verbindet

Bereits nachmittags machte das lilafarbene FLÜWO-Gefährt direkt vor der Leonhardskirche Halt, um erste Vorbereitungen zu treffen. Flugs waren die Tische und Bänke sowie die provisorische Außenküche  aufgebaut. Als die Teilnehmer nach und nach eintrafen, standen schon Kisten mit Kartoffeln, Bohnen und Zwiebeln bereit – Lebensmittel, die  sonst im Biomüll gelandet wären.

Quartiersarbeit in Stuttgart-Mitte: Das FLÜWO-MOBIL bei der Veranstaltung „in Aktion“.

Gemeinsam machten sich alle tatkräftig ans Schneiden und Schälen, um die geretteten Lebensmittel zu einer leckeren Gemüsesuppe zu verarbeiten. Dabei kamen die unterschiedlichsten Menschen miteinander ins Gespräch: Neben den Mietern der FLÜWO und anderen Anwohnern waren auch all jene beim Kochabend willkommen, die häufig als Grund für den problematischen Ruf des Leonhardsviertels gelten. Einer der Teilnehmer, ein 29-jähriger Mann, der seit einem halben Jahr auf der Straße lebt, zeigte sich begeistert von der Aktion: „Hier begegnen sich Menschen aller Schichten, die sich normalerweise sonst nie treffen würden. Das sollte es viel öfter geben“, meinte er. Matthias Murjahn von Commons Kitchen erklärte hierzu: „Bei unserem Projekt kann jeder unabhängig von Alter, Einkommen oder Bildung mitmachen. Mit den Veranstaltungen schaffen wir einen offenen Raum für Begegnungen auf Augenhöhe.“

Am Leonhards­platz ist genau das gelungen, fand auch Karin Weinmann von FLÜWO-Soziales. Beim gemeinsamen Schnippeln und Essen hätten sich Gegensätze aufgelöst und es sei ein Gefühl von Zugehörigkeit und Heimat entstanden. „Das sind wichtige Eckpfeiler für lebendige Nachbarschaften, die wir mit dem FLÜWO-MOBIL fördern wollen“, sagte sie und freute sich, dass zudem Lebensmittel gerettet worden seien und eine erste Vernetzung der lokalen Akteure, wie beispielsweise des Leonhardsvorstadt e. V. und der Leonhardskirche, stattgefunden habe. Dieses durchweg positive Fazit ließ sie am Ende des Tages mit einem zufriedenen Lächeln in das lilafarbene FLÜWO-Gefährt steigen

Bild: Die Teilnehmer des Foodsharing-Treffens verarbeiteten gemeinsam Gemüse zu einem Eintopf. Die Lebensmittel wären sonst entsorgt worden.

Nachbarschaften fördern und Lebensmittel retten

Den Austausch mit den Bewohnern, Nachbarn und lokalen Akteuren fördern und die Nachbarschaftsstruktur der einzelnen Quartiere auf- bzw. ausbauen – das sind Ziele, die das FLÜWO-MOBIL verfolgt. Dazu macht unser rollender Nachbarschaftstreff regelmäßig in den verschiedenen Wohnquartieren an den 30 Standorten der FLÜWO Station, um mit den Bewohnern über das Leben vor Ort zu sprechen. Auf diese Weise können die Mitarbeiter des Teams FLÜWO-Soziales erfahren, wo und in welcher Form Unterstützung im Wohnquartier benötigt wird.

 

Auch Commons Kitchen geht es darum, Menschen zusammenzubringen: nämlich beim gemeinsamen Kochen und Essen. Kostenlos, aber nicht umsonst, nachhaltig in jeder Hinsicht und immer lecker, das hat sich das Foodsharing-Projekt rund um Matthias Murjahn auf die Fahne geschrieben. „Wir kochen gemeinsam mit geretteten Lebensmitteln, teilen das Essen, die Arbeit und unsere Geschichten“, berichtet der 38-Jährige und erklärt das Ganze auch „als ein Experiment, wie wir Lebensmittel retten und Gemeinschaftsbildung vereinen können.“ Möglich werden die Aktionen erst durch die Mithilfe aller Teilnehmer, die sich ganz nach ihren individuellen Möglichkeiten einbringen. Seit vier Jahren kocht Foodsharing Commons Kitchen jeden Dienstag und Donnerstag. Meist donnerstags im Stadtteiltreff Veielbrunnen in Bad Cannstatt und dienstags an monatlich wechselnden Orten. Dabei kommen die verwendeten Lebensmittel vom Lebensmittelgroß- und -einzelhandel sowie aus Spenden. Sie wären sonst entsorgt worden. Bei den bisher rund 300 Events wurden bereits mehr als 1.200 Menschen mit circa 30 Tonnen geretteter Lebensmittel bekocht.

Artikelbild: Das FLÜWO-MOBIL und das Foodsharing-Projekt Commons Kitchen hatten zum gemeinsamen Kochen und Essen auf den Leonhardsplatz in Stuttgart eingeladen.

Fotos: FLÜWO

02.12.2019

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